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Themen 2026

Für die Ausgabe 2026 hat die Art Düsseldorf drei kuratorische Themenfelder definiert, die zentrale Spannungen unserer Gegenwart aufgreifen und den Blick auf künstlerische Positionen bewusst rahmen.

Die Themen bündeln Fragestellungen, die den aktuellen Diskurs prägen, und verleihen der Messe eine inhaltliche Kontur. Sie bewegen sich zwischen globalen Beziehungsgeflechten, Momenten der Destabilisierung und einer bewussten Haltung der Begegnung.

So entsteht eine Dramaturgie innerhalb der Messearchitektur, in der die einzelnen Präsentationen nicht isoliert stehen, sondern in größere Zusammenhänge treten. Für die Galerien eröffnen die Themen Möglichkeiten zur inhaltlichen Akzentuierung ihrer Präsentationen, für Besucher*innen schaffen sie einen vertieften Zugang zur Rezeption der Werke.

Cosmic Feel

Cosmic Feel versammelt künstlerische Positionen, die Welt nicht als stabile Ordnung, sondern als dynamisches Gefüge von Beziehungen begreifen.

Im Zentrum steht eine Wahrnehmung, die Verbindungen sichtbar macht. Das Kosmische wird hier nicht als fernes Jenseits gedacht, sondern als unmittelbare Erfahrung von Resonanz und Durchlässigkeit. Kunst wird zum Medium, das Verflechtungen spürbar macht: zwischen Individuum und Umwelt, Intimität und Planetarischem, Organischem und Technologischem.

Die Werke öffnen Räume, in denen sich persönliche Erfahrung, gesellschaftliche Dynamiken und ökologische Realitäten überlagern. Bedeutung entsteht im Zusammenspiel von Werk, Raum und Betrachtenden – als Bewegung, nicht als fixe Bedeutung.

Ob in installativen Anordnungen, skulpturalen Setzungen, performativen Systemen oder malerischen Bildräumen – die Arbeiten erzeugen Atmosphären, in denen sichtbare und unsichtbare Kräfte zugleich wirksam sind. Transformation erscheint hier nicht als Ausnahme, sondern als Grundbedingung.

Cosmic Feel beschreibt eine künstlerische Praxis erweiterter Wahrnehmung – eine Sensibilität für jene Kräfte, die unsere Gegenwart subtil, aber nachhaltig prägen.

Puck Verkade, Dürst Britt & Mayhew
Tatjana Vall, Britta Rettberg
Andrea di Lorenzo, Fuocherello
Madita Kloss, Roberta Keil

Panic Attack

Panic Attack versammelt künstlerische Positionen, die Angst nicht als isoliertes Gefühl, sondern als strukturellen Zustand unserer Gegenwart begreifen.

Gemeint ist kein eruptiver Ausnahmezustand, sondern eine anhaltende Verdichtung: Überstimulation, Beschleunigung, Kontrollverlust, politische und ökologische Unsicherheit. Panik erscheint hier als Schwelle. Arbeiten untersuchen Momente, in denen Gewissheiten brüchig werden – räumlich, materiell, psychisch oder gesellschaftlich.

Dabei bleibt Panic Attack kein resignativer Begriff. In vielen Positionen wird Angst zum Ausgangspunkt formaler und gedanklicher Transformation. Sie markiert den Moment, in dem Kontrolle brüchig wird – und neue Formen sichtbar werden.

In malerischen Suspensionen, immersiven Umgebungen, fragilen Materialien oder performativen Prozessen entstehen Räume, in denen Unsicherheit nicht beruhigt, sondern ausgehalten wird.

Panic Attack versteht Angst als Erkenntnismoment – nicht als Pathologie, sondern als Hinweis darauf, dass bestehende Systeme an ihre Grenzen geraten. Panik ist hier kein Endpunkt, sondern ein Ausgangspunkt für neue Formen.

Steffen Jopp, Nouveaux Deuxdeux
Anys Reimann, Van Horn
Maria Legat, Galerie3
Etsu Egami, Kornfeld

お辞儀 / ōjigi

お辞儀 / ōjigi bezeichnet die Geste der Verbeugung – ein Zeichen von Respekt, Aufmerksamkeit und Beziehung. ōjigi markiert einen Moment der Schwelle: eine minimale Bewegung, die Distanz anerkennt und zugleich Nähe ermöglicht. Diese Ambivalenz zwischen Zurücknahme und Präsenz bildet den gedanklichen Kern des Themas.

Im Kontext der Art Düsseldorf 2026 steht ōjigi für eine Haltung – eine bewusste Form der Begegnung zwischen Werk, Raum und Betrachtenden.

In einer Gegenwart, die von Beschleunigung und visueller Verdichtung geprägt ist, beschreibt ōjigi eine andere Form der Setzung: Reduktion statt Überwältigung, Aufmerksamkeit statt Behauptung, Beziehung statt Dominanz.

Die dem Thema zugeordneten Positionen verbindet weniger eine formale Gemeinsamkeit als eine gemeinsame Sensibilität: Präzision im Umgang mit Material und Raum, Aufmerksamkeit für Übergänge und Zwischenzustände, ein Bewusstsein für Zeit, Wiederholung und Prozess sowie Offenheit für Mehrdeutigkeit.

Nicht das Spektakel steht im Vordergrund, sondern die Intensität des Dazwischen – das fragile Gleichgewicht zwischen Sichtbarkeit und Andeutung, zwischen Geste und Stille, zwischen Struktur und Empfindung.

Materialien werden ernst genommen, nicht instrumentalisiert. Verfahren sind oft repetitiv, konzentriert oder systematisch. Bilder behaupten sich nicht, sie entfalten sich.

ōjigi steht damit für eine zeitgenössische Haltung der Aufmerksamkeit und als bewusste Form der Begegnung.

Berthold Pott
Kazuko Miyamoto, EXILE
Kiyomi + Tetsuhiro Uozumi, Nadan
Rebecca Salter, Patrick Heide Contemporary Art
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