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Dr. Thomas A. Lange über Kunst als Haltung im Unternehmen

Als Vorstandsvorsitzender der National-Bank begleitet Dr. Thomas A. Lange seit vielen Jahren die Entwicklung der Kunstsammlung der Bank und prägt deren kulturelles Engagement maßgeblich. Die Sammlung, die sich insbesondere der zeitgenössischen Kunst mit Bezügen zur Region Nordrhein-Westfalen widmet, ist über die Jahre zu einem wichtigen Bestandteil der kulturellen Identität des Hauses geworden. Sie steht für das langjährige Engagement der Bank für Kunst und Kultur und für die Überzeugung, dass wirtschaftliche Verantwortung auch kulturelle Förderung einschließt.

Seit 2025 verbindet die National-Bank und die Art Düsseldorf eine Partnerschaft, die den Dialog zwischen Kunst, Sammler*innen und Wirtschaft stärkt und neue Verbindungen innerhalb der Kunstszene ermöglicht.

Wir sprechen mit Dr. Thomas A. Lange über die Rolle von Corporate Collections, die Verantwortung von Unternehmen im kulturellen Engagement und die Frage, wie Austausch und neue Perspektiven im Kunstmarkt heute entstehen.

Stephan Balkenhol: Duett, Foto: Mick Vincenz, Essen

Herr Dr. Lange, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren intensiv mit der Kunstsammlung der National-Bank. Wie hat sich Ihr persönliches Interesse an Kunst entwickelt?
Es ist in der Schulzeit entstanden. Ich hatte das Glück, wunderbare Lehrer zu haben. Sie haben mich für Kunst begeistert. Besuche von Museen und Ausstellungen kamen hinzu. Ein persönliches Kennenlernen von Andy Warhol 1981 in der Kestner Gesellschaft in Hannover war der „Point of no Return“.

Hat sich Ihr Blick auf Kunst verändert, seit Sie eine Unternehmenssammlung begleiten und mit ihr arbeiten?
Er ist intensiver und umfassender geworden.

Die National-Bank engagiert sich seit vielen Jahren im Bereich Kunst und Kultur. Welche Rolle spielt Kunst aus Ihrer Sicht für die Identität eines Unternehmens?
Kunst schafft Identität und Zusammenhalt. Sie begründet und vermittelt Werte, Werte, die Kunden, Eigentümer und Mitarbeitende der National-Bank seit Jahrzehnten miteinander verbinden. Es ist unsere DNA. Sie trägt den Zusammenhalt, der für eine Gesellschaft unverzichtbar ist. Insofern geht es nicht um die Bebilderung eines Unternehmens, sondern um eine Haltung, auch zum Nutzen der res publica.

Die National-Bank Lounge auf der Art Düsseldorf 2025. Foto: Achim Hehn.

Was kann eine Kunstsammlung innerhalb eines Unternehmens leisten – für Mitarbeiter*innen, Kund*innen und Partner*innen?
Sie schafft Identität, individuell und kollektiv, eröffnet Freiräume, gibt Anlass innezuhalten und regt zum Nachdenken an. Damit fördert es die Arbeitsatmosphäre und stärkt die Attraktivität als Arbeitgeber.

Inwiefern unterscheidet sich das Sammeln für ein Unternehmen von einer privaten Sammlung? Welche Kriterien spielen bei der Entwicklung einer Corporate Collection eine Rolle?
Ein strategisches Kunstkonzept für Unternehmen definiert klare Sammlungsschwerpunkte sowie Budget, Hängung, Lagerung und Kommunikation. Dabei geht es um Stringenz und Konsistenz, aber auch um Rechtfertigung und Vermittlung. Bei einer privaten Sammlung steht allein die Leidenschaft im Vordergrund. Stringenz und Konsistenz dienen eher als Nebenbedingungen.

Viele Kunstsammler*innen sind auch Unternehmer*innen oder vermögende Privatpersonen. In welcher Weise kann eine Bank für Kunstsammler*innen ein Partner sein?
Indem sie Kunst vermittelt, Kontakte zu Künstlern und Galerien ermöglicht und entsprechende Ankaufsfinanzierungen anbietet. Wichtiger aber ist die Finanzierungsbereitschaft einer Bank gegenüber Künstlern und Galerien. Sie sind es, die häufig einer finanziellen Unterstützung, gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen, bedürfen.

Markus Lüpertz: Uranos, Foto: Dejan Saríc, Düsseldorf

Welche Rolle spielen Sie bei der Weiterentwicklung der National-Bank Sammlung?
Das müssen Sie meine Vorstandskollegen fragen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass ein starkes kulturelles und gesellschaftliches Engagement, ebenso wie jede andere Werteorientierung eines Unternehmens, durch das persönliche Engagement der Unternehmensleitung ebenso getragen und geprägt sein muss wie sein „Tone from the Top”. Anderenfalls ist die Unternehmensleitung nicht glaubwürdig und ihr Engagement nicht glaubhaft.

Gibt es Werke oder Künstler*innen in der Sammlung, die Sie besonders begleiten oder die für die Sammlung eine besondere Bedeutung haben?
Jede Arbeit begleitet mich auf eine besondere Art und Weise. Gleichwohl haben die Auftragsarbeiten der National-Bank im öffentlichen Raum der Stadt Essen, also „Uranos“ von Markus Lüpertz und „Duett“ von Stephan Balkenhol, eine besondere Bedeutung.

Die National-Bank engagiert sich als Partnerin der Art Düsseldorf. Wie reflektieren Sie diese Partnerschaft nach dem ersten gemeinsamen Jahr 2025 und was wünschen Sie sich für die Messe 2026?
Es ist eine wunderbare Partnerschaft, für die ich sehr dankbar bin. Insofern wünsche ich mir, dass die Messe 2026 erneut viele Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland anzieht und ihre Erfolgsgeschichte fortschreibt. Wir helfen gern, wenn wir können.

Walter Gehlen & Dr. Thomas Lange auf der Art Düsseldorf 2025. Foto: Sebastian Drüen

Welche Bedeutung haben Kunstmessen aus Ihrer Perspektive für den Kunstmarkt und für den Dialog zwischen Wirtschaft und Kunst?
Kunstmessen sind für einen funktionsfähigen Kunstmarkt unverzichtbar, für den Dialog zwischen Wirtschaft und Kunst, subjektiv zwar nicht wünschenswert, objektiv jedoch entbehrlich.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Kunstsammlung der National-Bank und für den Dialog zwischen Wirtschaft und Kunst?
Für die Sammlung der Bank wünsche ich mir weiterhin Interesse, Anerkennung und Wertschätzung. Für den Dialog zwischen Wirtschaft und Kunst hingegen wünsche ich mir eine Intensivierung, da sich viele Unternehmen von ihren Sammlungen getrennt, und die finanzielle Unterstützung musealer Ausstellungen reduziert haben.

Was raten Sie jungen Sammler*innen, die eine Sammlung aufbauen möchten?
Macht Eure eigenen Erfahrungen! Wenn es tatsächlich Leidenschaft ist, wird sie Euch tragen und merkantile Fehler verzeihen. Ist es nur ein Investment, lasst Euch von Dritten beraten!

Dr. Thomas A. Lange, Foto: Peter Wieler, Essen.

Dr. Thomas A. Lange
Vorsitzender des Vorstandes
NATIONAL-BANK AG

www.national-bank.de